Geschlechterfragen



Friederike Girst (Hrsg) Herrschaftszeiten – vom Leben unter Männern, Dumont Verlag, Köln 2009


Friederike Girst (Hrsg) Herrschaftszeiten – vom Leben unter Männern, Dumont Verlag, Köln 2009

85 prominente Frauen in Führungspositionen aus den Bereichen Kunst, Kultur, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Justiz, Medien und Sport berichten sehr individuell in Wort und Bild über ihr Leben im Patriarchat.

Einführend erläutert die Herausgeberin den gesellschaftlichen Kontext und die konkreten Erfahrungen der Autorinnen. Zunächst einige Fakten: „17 Prozent beträgt in Deutschland der Frauenanteil in Führungspositionen mittelständischer Unternehmen. In Europa verdienen Frauen im Durchschnitt 17 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, in Deutschland ist es sogar fast ein Viertel. In Norwegen beträgt der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen 40 Prozent, in Deutschland 4 Prozent. „Die Krise ist männlich“ wird die Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen, Petra Ledendecker, mit Bezug auf die aktuelle Wirtschaftskrise zitiert“.

Jedoch soll das Buch „Herrschaftszeiten kein Rundumschlag, kein Manifest, keine Kampfansage, keine Emanzipation 2.0, kein Lagerdenken und auch kein Positionsstreit darstellen, sondern beste Unterhaltung mit Erkenntnispotential. Es soll Missstände ebenso aufzeigen wie Absurditäten und gesellschaftliche Schieflagen und es soll zum entspannten und unverkrampften Dialog der Geschlechter auf Augenhöhe beitragen“.

Das Buch liest sich kurzweilig, die Beiträge sind sehr unterschiedlich und facettenreich. Witzig, ernst, ironisierend und auch mal polarisierend wird über Macht, Geschlechterrollen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und alltägliche Begegnungen berichtet. Ein Buch, das sich leicht liest – durch die kurzen Beiträge auch hervorragend als Bettlektüre geeignet gibt es brauchbare Hinweise, Denkanstöße und tatsächlich auch neue Erkenntnisse.

von Magda Göller


 

----------------------------------------------

Gerald Hüther, Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009


Ein absolutes „must have“ für alle…. die Männer besser verstehen wollen, ….die den Unterschied zwischen Mann und Frau in seinen biologischen Detreminanten, in seinem gesellschaftlichen Kontext und im entsprechenden Rollenverständnis aber auch und vor allem für jene,…. die mit Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern (in welcher Funktion auch immer) befasst sind.

Gerald Hüther vermittelt in seinem Buch „Männer….“ auf leicht verständliche Art und Weise neueste geschlechtsspezifische Forschungsergebnisse der Neurobiologie. Er beschreibt auf sympatische Art und mit schönen Metaphern den kleinen Unterschied mit den großen Folgen und er zeigt uns, worauf es bei der Bildung, Erziehung und Betreuung jenseits von Regeln, Normen, Didaktik und Wissensvermittlung wirklich ankommt – in erster Linie um Liebe…..

Kinder „..müssen jemanden finden, am besten Mutter und Vater, der sie vorbehaltlos annimmt. Idealerweise beide, und zwar so, wie sie sind. Ohne die Absicht, irgendetwas aus ihnen machen zu wollen. Ohne geheime wünsche, was aus ihnen werden sollte. Ohne die3 Erwartung, etwas von ihnen zu bekommen, ohne das Gefühl, sie zu brauchen, ohne Vorurteile, ohne Zweck. Nicht als Objekte, nicht als Ressourcen, sondern als Suchende , von solchen Eltern, die selbst Suchende bleiben wollen. Diese besondere zwischenmenschliche Beziehung, die nichts von ihnen will, die den kleinen Jungen (und Mädchen M.G.) das Gefühl tiefer Verbundenheit schenkt und sie in jedem Moment immer wieder einlädt, ermutiget und inspiriert, sich als kleine Weltentdecker und Gestalter ihrer eigenen Lebenswelt und ihres eigenen Selbst auf den Weg zu machen und dabei doch gleichzeitig aufs tiefste verbunden zu bleiben, hat einen Namen: Sie heißt Liebe“ (S. 85).

Dieser Weg und somit die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kann gut unterstützt werden mit der Förderung von zwei existentiellen Grundbedürfnissen mit denen Kinder bereits zur Welt kommen:

1. „Das eine ist das Bedürfnis nach Verbundenheit, Geborgenheit und Sicherheit.
2. Das andere ist das Bedürfnis, neues zu erfahren und Aufgaben nachzugehen, an denen man wachsen kann, also nach Potentialentfaltung , Autonomie, Freiheit.“(S. 84)

Das was auf den ersten Blick als Widerspruch erscheinen mag, gehört nach Hüther untrennbar zusammen. Auf der Basis von Sicherheit gelungenen Beziehungen und dem Gefühl der Verbundenheit ist es Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen möglich sich neugierig auf den Weg zu machen, die Welt zu entdecken und sich diese zu erschließen. Die Erwachsenen Dienen als Vorbild und können den Entwicklungsprozess unterstützen in dem sein Gelegenheiten schaffen, die o. g. Grundbedürfnisse zu stillen.

von Magda Göller